SHORTLIST: KAFFEEHAUSSITZER

Wir stellen Euch die Shortlist-Kandidaten des Bubla17 vor! Uwe hat viele Stunden seines Lebens Bücher lesend in Kaffeehäusern und Cafés verbracht. Seit 2013 bloggt er als Kaffeehaussitzer über Bücher. Lest hier unser Interview mit ihm!

Jeweils sieben Blogs, Vlogs, Instagram-Accounts und Podcasts stehen als Anwärter für den 1. Buchblog-Award auf der Shortlist für den Haupt- und den Sonderpreis. Eine Übersicht aller vierzehn Kandidaten findet ihr hier.

Jetzt aber Bühne frei für Kaffeehaussitzer!

Steckbrief

Blog-Name: Kaffeehaussitzer
Startdatum des Blogs: Juni 2013
Genres: Krimi & Thriller, Literatur, Sachbücher
Social Media Kanäle: Facebook, Twitter
Name des Bloggers: Uwe Kalkowski

Stelle Dich kurz vor!

Mein Name ist Uwe Kalkowski und seit Juni 2013 blogge ich als Kaffeehaussitzer über Literatur, Texte und Leseerlebnisse. Seit 24 Jahren bin ich in der Buchbranche tätig; erst als Buchhändler, nach dem Abschluss des Studiums Verlagswirtschaft an der HTWK Leipzig dann als Marketingmensch in verschiedenen Fachverlagen. Seit 2009 bin ich Marketingleiter des RWS Verlags in Köln.

Was liest Du gerade?

Oft lese ich unterschiedliche Bücher parallel, so auch momentan. Zum einen ist dies gerade der Roman „Karpathia“ von Mathias Menegoz, eine elegant-düstere Geschichte ganz im Stil des 19. Jahrhunderts. Zum anderen ist es „Hillbilly-Elegie“, eine autobiographische Erzählung über die Abgehängten in den USA. Sehr bedrückend, aber hochinteressant. Und da es ohne Sachbuch in der Hinterhand bei mir selten geht, bin ich dabei, mich durch Anthony Beevors Darstellung des Spanischen Bürgerkriegs zu arbeiten.

Warum hast Du mit dem Bücher-Bloggen angefangen?

An dieser Stelle könnte ich jetzt ganz klischeehaft sagen, weil ich mich gerne über Literatur austausche. Wobei, eigentlich ist das gar kein Klischee: Ich liebe es, mich über Literatur auszutauschen und es ist mir ein Bedürfnis über Bücher zu reden. Und wenn mich ein Buch begeistert hat, möglichst viele andere Menschen mit dieser Begeisterung anzustecken. Da es im Alltag nicht immer einfach ist, dieses Bedürfnis auszuleben, war der Schritt ins Netz eigentlich logisch, wobei mir zu Beginn gar nicht klar war, wie viele andere Leute ich da treffen würde, denen es ähnlich geht.

Was ist das Schönste am Bloggen?

Das Schönste ist für mich die Vernetzung. Am 16. Juni 2013 schaltete ich den ersten Beitrag frei und war völlig fasziniert davon, dass der Blog tatsächlich an den Start ging. Da hatte ich noch keine Ahnung davon, was alles auf mich zukommen würde. Dass es so viele andere Buchblogger gibt. Dass aus virtuellen Kontakten Freundschaften im realen Leben werden. Dass gemeinsame Projekte entstehen. Dass man sich nur mit Hilfe der 26 Buchstaben des Alphabets ein eigenes Zuhause im Netz erschaffen kann. Dies alles möchte ich nicht mehr missen.

Was nervt auch mal?

Ein paar Dinge können in der Tat manchmal ein wenig nerven. Etwa die endlose Feuilleton vs. Literaturblogs-Debatte, die sich seit Jahren im Kreis dreht und in der es nicht gelingt, die Heterogenität der Buchblogs zu erfassen. Vielmehr ist es doch so, dass Buchblogs und Feuilleton zwei Welten sind, die beide nebeneinander existieren, zwischen denen es kaum Bezugspunkte gibt und die sich bestenfalls ergänzen. Die bissigen Seitenhiebe, die gerne von Seiten des Feuilletons gegen die Buchblogger-Szene ausgeteilt werden, zeigen eigentlich nur, dass sich dort kaum jemand mit der unglaublichen Vielfalt der Literaturblogs auseinandergesetzt hat. Gerne werden nämlich dabei Blogs herausgepickt, die sich z.B. mit Young Adult-Themen oder Fantasy-Literatur beschäftigen, dann wird über „die Literaturblogs“ geschrieben und nicht mit Hohn über vermeintlich triviales Leseverhalten gespart. Dass sich die Leser dieser beispielhaft genannten Blogs möglicherweise kein bisschen für feuilletonistische Buchkritik interessieren, weil sie sich eben in einer ganz anderen Nische der Literatur aufhalten, bleibt dabei unverstanden. Genauso absurd sind aber auch Blogbeiträge aus der Gegenrichtung, in denen „die Literaturblogs“ als das neue Feuilleton gefeiert werden. „Die Literaturblogs“ gibt es eben nicht, zu vielfältig sind die unterschiedlichen Ausprägungen.

Wo liest Du selbst am liebsten Rezensionen und anderen “Buch-Content”?

In zahlreichen Literaturblogs suche ich gezielt nach Buchempfehlungen. Manchmal werde ich auch durch Rezensionen aus der Presse auf ein Buch aufmerksam, wenn sie in meine Timeline auf Twitter oder Facebook gespült werden. Aber die meisten Inspirationen finde ich bei Besuchen in den Buchhandlungen meines Vertrauens.

Welcher Deiner Lieblings-Blogs ist nicht auf der Shortlist?

Da gibt es ziemlich viele, eigentlich ist die Shortlist viel zu sehr short. Blogs, die ich sehr schätze sind z.B. lustauflesen.de, Literaturen, Bücherwurmloch, novellieren, Buzzaldrins Bücher, Muromez, novelero, Sätze & Schätze, schiefgelesen, Schöne Seiten, 54 Books, , Analog-Lesen, Zeichen & Zeiten, und noch sehr viel mehr.  Allen diesen Blogs verdanke ich großartige Lektüreentdeckungen; eine gute Gelegenheit, dafür einmal in aller Öffentlichkeit danke zu sagen.

Warum hast Du dich für den Buchblog-Award 2017 beworben?

Da habe ich mir ehrlich gesagt keine großen Gedanken gemacht. Die Idee eines Preises quasi von offizieller Seite fand und finde ich gut, die Zusammensetzung der Jury ist interessant. Die Kritik an der öffentlichen Longlist-Abstimmung war berechtigt und es wurde an einigen technischen Stellschrauben ja auch nachjustiert. Andererseits ist nichts perfekt, wenn man Neuland betritt. Und jetzt freue ich mich natürlich, auf der Shortlist zu stehen.

Wie siehst Du die Zukunft der Buchblogs?

Für die Zeitschrift Buchmarkt stelle ich jeden Monat einen Netzrückblick mit Fundstücken aus den Literaturblogs zusammen – und bin jedes Mal aufs Neue begeistert, wie viele lesenswerte, kluge, nachdenkliche, kritische und enthusiastische Texte da zusammenkommen. Daher glaube ich, dass Buchblogs mehr und mehr ein wichtiger Bestandteil der Buch- und Literaturbranche werden. Was aber auch bedeutet, dass Blogger zunehmend gesellschaftliche Verantwortung übernehmen sollten, um dazu beizutragen, dass diese Branche vielseitig und lebendig bleibt. Deshalb würde ich mir wünschen, dass Blogs darauf verzichten, mit Affiliate-Links zu einem in Seattle beheimateten Gemischtwarenhändler zu arbeiten. Denn dieses Versandhaus gefährdet mit seiner gnadenlosen Verdrängungs- und Konditionenpolitik eben genau jene Vielfalt – nicht nur diejenige der Buchhandlungen, sondern auch diejenige der Verlage. Klar bringen diese Links etwas Geld ein, aber für mich würde es sich anfühlen, wie die eigene Seele zu verkaufen. Das mag jetzt vielleicht etwas pathetisch klingen, aber ich kann da nur von mir persönlich sprechen und mir ist dieses Thema eine Herzensangelegenheit. Und deshalb endet auf Kaffeehaussitzer jede Buchbesprechung mit dem Hashtag #SupportYourLocalBookstore.

Vielen Dank für Deine Antworten! Wir drücken Dir die Daumen!

Die Gewinner des 1. Buchblog-Awards werden auf der Frankfurter Buchmesse bekanntgegeben. Alle sind herzlich zur Preisverleihung eingeladen!

Buchblog-Award 2017 – Die Preisverleihung
Wann? 13. Oktober 2017, 12 Uhr
Wo? Frankfurter Buchmesse, im Forum Börsenverein, Halle 3.1 H65
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