BUBLA19-FINALIST: FEMALE WRITERS CLUB

20 Blogs stehen im Finale des Bubla19 – Eure Stimmen haben entschieden, wer dabei ist. Bevor die Jury am 18. Oktober 2019 die jeweiligen Gewinner in den Kategorien Bester Buchblog und Bester Newcomer verkündet, stellen wir euch die Finalist*innen vor. Hier beantwortet Maria vom „Female Writers Club“ unsere Fragen.

Kurzvorstellung & Speed-Fragerunde

Mein Name: Maria
Mein Blog: Female Writers Club
Ich bin nominiert in der Kategorie: Bester Newcomer

Hier bin ich auch zu finden: Instagram & Facebook
Ich blogge seit: November 2018

Ich lese am liebsten: tatsächlich lese ich alles von Romanen über Sachbücher über Graphic Novels, Biografien, Tagebücher und Briefwechsel.
Dieses Buch hätte nie enden dürfen: Harry Potter, natürlich. Und zuletzt: Die Geschichte der Bienen von Maja Lunde.
Das ist meine Lieblingsbuchfigur: Ich kann mich nicht auf eine festlegen, aber zu den all-time-favorites gehören: Momo, Hermine Granger, Smilla Jaspersen, Thursday Next
Das sind meine Lieblingsverlage: Matthes & Seitz Berlin, KiWi, Hanser, NordSüd
Hier kaufe ich meine Bücher am liebsten: Waterstones (Buchladenkette in Großbritannien)
Diese Buchblogs/Buchkanäle sind meine persönlichen Favoriten: buuu.ch, mint und malve und buchfink_. Ich lese ehrlich gesagt kaum Buchblogs, weil ich das Gefühl habe, die meisten stellen immer gleichzeitig dieselben Rezensionsexemplare vor.

Das Interview

Wie bist Du zum Buchbloggen gekommen?

Die Idee, einen Blog zu betreiben, der sich vorrangig Büchern weiblicher Autorinnen und feministischen Themen widmet, hatte ich schon lange. Es sollte aber noch bis zum Oktober 2018 dauern, bis ich die Idee wirklich umsetzte. Zu diesem Zeitpunkt fiel ich in eine Burn Out Depression und war sehr lange krankgeschrieben, bevor ich im Januar 2019 in eine Klinik gegangen bin. Während der Monate zuhause habe ich meinen Blog gestartet – er war so gesehen ein Teil meiner Therapie und hat mich auf den Weg der Heilung gebracht. Ich habe fast täglich an dem Blog gearbeitet. Bücher gelesen, Artikel geschrieben und für diese viel recherchiert. So hatte ich weiterhin eine Aufgabe und jeden Tag einen Grund zum Aufstehen. Das ist bei Depressionen ja sehr wichtig. Ich hatte plötzlich wieder Spaß an den Dingen, die ich tue. Und ich habe durch die Arbeit am Blog erkannt, wie gern ich selbstbestimmt arbeiten würde, wie leicht es mir fällt, mich zu organisieren und zu motivieren, wenn ich nicht diesen Druck habe, den ich vorher auf der Arbeit permanent verspürte. Den Blog habe ich auch weiterhin geschrieben, als ich für einige Wochen in der Klinik war. Und danach habe ich gekündigt, bin nach England zu meinem Partner gezogen und habe mich mit meinem Beruf als Lektorin und Übersetzerin selbstständig gemacht. Beste Entscheidung ever. Der Blog hat mich durch diese ganze Phase hindurch begleitet und ist mir deshalb nicht nur inhaltlich so wichtig, sondern auch, weil er ein Teil eines großen Umbruchs in meinem Leben war.

Was zeichnet Deinen Blog aus?

Ich blogge hauptsächlich über weibliche Autorinnen und Bücher mit feministischen Themen. Ich wollte eine Plattform erschaffen, auf der Schriftstellerinnen und ihre Arbeiten gewürdigt werden. Und zwar aus sämtlichen Zeiten und quer durch die Professionen. Ich schreibe also nicht nur über die Werke von Romanautorinnen, sondern auch über Wissenschaftlerinnen und Politikerinnen, über Künstlerinnen und Musikerinnen. Frauen haben und hatten es in der Literaturszene, die wie viele andere eine Männerdomäne ist, immer schwer. Es gibt so viele großartige Autorinnen und Texte, und viele von ihnen sind leider viel zu wenigen bekannt. Das wollte ich ändern.
Das heißt jedoch nicht, dass männliche Autoren bei mir per se nicht vorkommen. Ich schreibe auch über deren Bücher, wenn sie feministische Themen behandeln oder starke weibliche Charaktere haben.
Ich gebe in meinen Rezensionen nicht nur die Handlungen der Bücher wieder und sage, ob ich sie gut oder schlecht fand. Ich picke mir bei jedem Buch einige Aspekte heraus, die ich spannend und interessant finde, und verknüpfe sie auch oft mit aktuellen Themen oder Geschehnissen. Außerdem versuche ich, immer auch einen Teil von mir selbst in die Artikel einfließen zu lassen. Ich sehe meine Rezensionen nicht als reine Buchreviews, sondern als kleine Essays über ein bestimmtes Thema. Ich habe zwar einen wissenschaftlichen Background durch mein Literaturstudium und durch meine jahrelange Arbeit als Verlagslektorin auch sehr fundierte Branchenkenntnisse, jedoch schreibe ich meine Rezensionen nicht für Insider, sondern einfach für Buchliebhaber. Ich möchte meine Leser*innen für die Bücher begeistern, die ich selbst mag. Und plane immer wieder neue Projekte, zum Beispiel möchte ich in naher Zukunft Artikel zu den Leben und Werken bestimmter Autorinnen schreiben und mich eingehender auch mit den Personen beschäftigen. Und ich habe festgestellt, dass mir das ganze Business rund um Kooperationen mit Verlagen und die Hascherei nach möglichst vielen Likes zu anstrengend sind. Ich möchte auf meinem Blog einfach nur Bücher zeigen, die ich selbst mag, und das können durchaus auch mal Titel sein, die nicht in den aktuellen Verlagsvorschauen sind, sondern die ich in einem Bücherschrank gefunden habe und die man nur noch gebraucht bekommt.

Was macht Dir beim Bloggen am meisten Spaß? (Und nervt auch mal was?)

Ich gehe an meine Texte glaube ich sehr journalistisch ran. Mit viel Recherche, ganz viel Schreiben und am Ende das meiste wieder streichen. Ich liebe es, meine Gedanken zu einem Text in Worte zu fassen. Und klar, es nervt manchmal, viel Zeit in einen Text investiert zu haben, der dann kaum angeklickt wird. Aber auch davon habe ich mich inzwischen ganz gut frei machen können. Der Gedanke, dass am meisten zählt, wie viel der Blog mir selbst gibt, hat dabei enorm geholfen.

Was ist das Besondere am Bloggen auf Deinem Blog?

Ich bemühe mich um gendergerechte Sprache – aber da bin ich selbst noch am Ausprobieren, von daher darf man mir es nicht ankreiden, wenn ich es mal vergesse oder nicht einheitlich gemacht habe.
Die meisten meiner Beiträge veröffentliche ich auf dem Blog, aber es gibt hin und wieder Bücher, die ich nur auf Instagram und Facebook in Form einer Kurzreview vorstelle.

Was würdest Du Blogger-Neulingen oder jenen raten, die mit dem Bloggen über Bücher anfangen wollen?

Es bringt nichts, wenn dir der innere Antrieb fehlt. Am Anfang wird das Feedback eher mau sein, und es dauert seine Zeit, bis du regelmäßige Leser*innen hast. Wie alles im Leben funktioniert auch Bloggen längerfristig nur, wenn man es aus der richtigen Motivation heraus macht – für sich selbst.

Welche Buch- bzw. Lese-Trends findest Du momentan spannend?

Die große Auswahl an Literatur mit People of Color als Protagonist*innen, die dadurch endlich auch ihre Stimmen in der Mainstreamliteratur bekommen. Generell die zunehmende Diversität in den Büchern, sowohl in Kinder- und Jugendliteratur, als auch in der Belletristik. Ich freue mich auch darüber, dass Graphic Novels, wieder stärker produziert werden. Und dass die Klimakrise auch auf dem Buchmarkt ein großes Thema ist.

Was war Dein schönstes Buch-, Lese-, Verlags- oder Autor*innen-Erlebnis?

Da ich ja selbst lange im Verlag gearbeitet habe, kann ich das am besten aus Lektorinnensicht beantworten: wenn ich mit einer Autorin/einem Autor lange an einem Text gewerkelt habe und irgendwann endlich das gedruckte Buch in der Hand hielt, ganz frisch aus der Druckerei. Diese Momente waren unbezahlbar.

Vielen Dank für das Interview! Wir drücken die Daumen!