BUBLA20-FINALIST: LESESTRESS

20 Blogs haben es geschafft ― sie stehen im Finale des Buchblog-Awards 2020! Bevor die Jury am 18. Oktober 2020 die Gewinner*innen in den Kategorien Bester Buchblog und Bester Newcomer verkündet, stellen wir Euch die Finalist*innen vor. Hier beantwortet Vicky vom Instagram-Kanal Lesestress unsere Fragen.

Kurzvorstellung & Speed-Fragerunde

Mein Name: Vicky
Mein Blog/Kanal: instagram.com/lesestress/
Ich bin nominiert in der Kategorie: Bester Newcomer

Hier bin ich auch zu finden: @vickynuff
Ich blogge seit: 27. Januar 2020
Ich lese am liebsten: belletristische Romane und Sachbücher

Dieses Buch liegt gerade auf meinem Nachttisch: „Unter uns das Meer“ von Amity Gaige
Dieses Buch empfehle ich momentan jedem: „Menschenwerk“ von Han Kang
Diesen Buchcharakter würde ich gerne einmal treffen: Mordechai „Motti“ Wolkenbruch
Das sind meine Lieblingsverlage: Eisele Verlag, Kiepenheuer & Witsch, Aufbau-Verlag, DuMont Buchverlag
Hier kaufe ich meine Bücher am liebsten: Büchers Best (Buchhandlung Dresden)
Dieser Buchblog/Buchkanal ist mein persönlicher Favorit: @frieda.frei

Das Interview

Wie bist Du zum Buchbloggen gekommen?

Ich habe schon immer viel gelesen, aber erst im letzten Jahr habe ich das Format des Buch-Podcasts für mich entdeckt und entsprechend auch viele verschiedene Podcasts gehört. Einige der dort empfohlenen Bücher habe ich dann natürlich auch sofort gelesen. So konnte ich mir neue Autor*innen erschließen und aktuelle Titel entdecken. Grundsätzlich war das ein tolles System: erst Podcast hören, dann Buch lesen. Leider hat mir aber der Austausch gefehlt, das System war zu einseitig. Vom Podcast bin ich dann zu #Bookstagram gekommen und war sehr schnell auch sehr begeistert. Trotzdem war ich anfänglich nur eine stille Beobachterin, kommentierte hin und wieder und überließ das Rezensieren den Profis. Meine Chance kam Anfang diesen Jahres, als ich das erste Mal von vorablesen hörte. Die Plattform verspricht ihren Testleser*innen Rezensionsexemplare bereits vor Veröffentlichung, im Austausch für ihre ehrliche Meinung und verpackt alles in Form eines Gewinnspiels. Begeistert meldete ich mich also an, bewarb mich und gewann in der Woche darauf direkt das erste Buch. Mit der ersten Rezension hatte ich dann sprichwörtlich Blut geleckt und seither gibt es in meinem Leben den buchstäblichen Lesestress. 😉

Was zeichnet Deinen Blog aus? Wieso sollte man Dir folgen?

Obgleich es inhaltlich um Bücher und damit natürlich um Texte geht, befürchte ich, dass sich mein Account ironischerweise ausgerechnet durch seine Fotos von anderen abhebt. Ich inszeniere nämlich jedes Buch passend zu Cover und/oder Inhalt und versuche so mehr Aufmerksamkeit für die einzelnen Titel zu erregen. Als selbstständige Grafikerin weiß ich, wie wichtig ein Eye-Catcher in der Werbung ist und durch einen guten Aufmacher folgt meist auch ein inhaltliches Interesse. Meine Rezensionen sind durch Instagram selbst auf 2.200 Zeichen reduziert und beschränken sich daher auf das Wichtigste zum Buch – sowohl inhaltlich, als auch stilistisch. Abschließend ziehe ich mein Fazit und begründe etwaige Kritik – wichtig ist mir, dass ich nur empfehle, was mir auch wirklich gefällt.

Was schätzt Du besonders am Format des Instagram-Kanals?

Alle Formate, egal ob klassischer Buchblog, Instagram-Kanal oder Podcast, sind für mich wertvoll! Am leichtesten kann ich mich natürlich über Instagram austauschen, denn ich kann mich mit anderen Blogger*innen sehr leicht vernetzen. Das Follow-Prinzip dort ist unkompliziert und für alle gleich. Niemand muss sich erst lange durch Seitenstrukturen kämpfen. Es gibt täglich neue Beiträge zu sehen und das Potenzial zum Austausch ist durch verschiedene Tools innerhalb der App sehr hoch. Die Story-Funktion macht kurzfristige Leseupdates möglich und schafft weitere Optionen für Abstimmungen und gemeinsame Interaktionen. Trotzdem bin ich durch die maximale Zeichenanzahl von Feedpostings auch immer eingeschränkt. Hier können klassische Blogs mehr Tiefe, mehr Inhalt und vielleicht auch eine bessere Beitragsstruktur liefern. Ich selbst vertiefe mich gern in weitere Ausführungen, wenn ich die Möglichkeit dazu bekomme. Nur Podcasts finde ich noch besser! Durch sie kann ich meinen Alltag jederzeit, auch ohne ein Buch selbst zu lesen, mit Literatur füllen – ob ich gerade Auto fahre oder einfach nur einkaufen bin.

Was war dein bisher schönstes Erlebnis im Blogger*innen-Dasein?

Es gab in diesem Jahr bereits unglaublich viele schöne Momente für mich als Bloggerin. Ich freue mich zum Beispiel nach wie vor jedes Mal, wenn Verlage und Autor*innen sich für meine Rezensionen und Fotos begeistern können und mit mir zum jeweiligen Buch interagieren. Neben meiner Nominierung als „Bester Newcomer“ für den diesjährigen Buchblog-Award, gab es aber tatsächlich noch einen weiteren besonderen Moment, an den ich mich gern zurückerinnere: Unter dem Hashtag #kiwiöffnetgrenzen haben Kiepenheuer & Witsch thematische Bücher vorgestellt. Für „Schlafende Hunde“ von Anja Rützel stand dann, im Zuge der Online-Werbung, ein Zitat meiner Rezension unter dem von Charlotte Roche. Das war ein echtes Highlight für mich!

Wo in der Buchcommunity bist Du selbst am liebsten unterwegs auf der Suche nach Inspiration und Austausch? Und warum?

Ich weiß nicht, ob ich tatsächlich sagen würde, dass ich überhaupt auf der Suche nach Leseinspiration sein muss: Mein Stapel ungelesener Bücher umfasst derzeit etwa 40 Titel (und damit schon 20 mehr, als gut für mich sind; Stichwort: Lesestress), meine Want-to-read-Liste sogar über 400 Bücher. Trotzdem kann ich mich – entgegen aller Vernunft – sehr häufig für neue Romane begeistern. Mein Lesewunsch wird dann meist durch andere Blogger*innen oder aber durch meine Buchhändler*innen (im Büchers Best) ausgelöst – ich lasse mich einfach zu gern von jemandes Begeisterung mitreißen!

Warum muss (vor allem in einem Jahr wie diesem) über Bücher gebloggt werden?

Das Lesen eines Buches kann uns ein komplettes Universum eröffnen. Es bereichert unser Leben, regt uns an und transportiert uns in andere Welten. Es stellt eine Gelegenheit dar, um neue Sichtweisen zu entdecken und diese nachzuempfinden. Bücher eröffnen uns neue Perspektiven und somit auch neue Zugänge, fernab vorhandener Gedankenmuster. Sie schaffen Diversität und sorgen für gegenseitiges Verständnis. Wie oft bin ich in Bücher eingetaucht, habe mit den Protagonist*innen gelebt, geliebt und gelitten und so immer auch Neues erfahren – über sie und andere und am Ende sogar über mich selbst. Das Buchbloggen macht all diese Erfahrungen sichtbar, gibt ihnen einen zusätzlichen Fokus und hilft einem selbst, nicht zuletzt, auch schlicht bei der Auswahl der richtigen Bücher. Besonders in einem Jahr wie diesem, schafft es Gemeinschaft und natürlich eine Plattform für den Austausch – unabhängig des eigenen Standorts und der allgemeinen Lebenssituation.

Haben sich die Corona-bedingten Veränderungen der letzten Monate auf Deinen Kanal ausgewirkt? Wenn ja, wie?

Ich denke die Veränderungen in der Welt waren in diesem Jahr tatsächlich so groß, dass wirklich niemand umhingekommen ist, sich diesen anzupassen. Als introvertierter Mensch hatte ich keine Probleme, mich den neuen Vorschriften und Gegebenheiten in der Öffentlichkeit unterzuordnen, aber im Hinblick auf die politischen und sozialen Geschehnisse der letzten Wochen und Monate hatte ich doch sehr zu kämpfen und natürlich hat das auch meinen Instagram-Kanal betroffen. Mit dem Anfang der #BlackLivesMatter-Bewegung habe ich meinen Account für einige Zeit ruhen lassen, um mehr Platz für die Stimmen zu schaffen, die zwingend gehört werden mussten und auch weiterhin gehört werden müssen. Ich habe in dieser Zeit sehr viel über strukturellen Rassismus gelesen und freue mich darüber, ein neues Bewusstsein für Diversität erlangt zu haben. Es ist die Vielfalt der Stimmen, die unseren Alltag und natürlich nicht zuletzt auch unsere Buchwelt, wirklich interessant macht. Ich freue mich jedenfalls sehr darauf, weitere Bücher mit dem Fokus auf Diversität vorzustellen und auch meinen eigenen Horizont mit jedem Buch erweitern zu können.

Was wünschst Du Dir für die Zukunft von Buchblogs und Buch-Kanälen?

Alles in allem haben wir uns mit #Bookstagram die vielleicht schönste Online-Community überhaupt geschaffen und ich freue mich täglich, ein Teil davon zu sein. Neben meinem Bedürfnis zum Austausch über Literatur im Allgemeinen, habe ich hier auch ein paar Freund*innen für’s Leben gefunden. Es fühlt sich daher wie Jammern auf sehr hohem Niveau an, wenn ich mir nun noch mehr für die Zukunft von Buchblogs und Buch-Kanälen wünsche. Trotzdem kommt mir eine Sache direkt in den Sinn: Viele Blogger*innen verwenden sehr viel Zeit darauf, Beiträge zu schreiben, Fotos zu arrangieren und sich ganz der Literatur hinzugeben. Angefangen bei Leserunden und dem Austausch über Bücher, werden Fragen zur Handlung, zum Stil der Autor*innen und natürlich zum eigenen Fazit beantwortet. Obgleich es nur unser aller Hobby ist, mutet es an manchen Tagen auch ein bisschen wie Arbeit an – häufig leider ungesehen und unbeachtet von vielen Verlagen. Ich würde mir daher wünschen, dass es mehr Wertschätzung erfährt, was Buchblogger*innen jeden Tag leisten. Ein Like, ein Kommentar oder auch ein Share in der eigenen Story schaffen Reichweite und zeugen von Anerkennung – explizit auch im Hinblick auf den neuen (und einschränkenden) Instagram-Algorithmus.

Vielen Dank für das Interview! Wir drücken die Daumen!

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