BUBLA20-FINALIST: PAPIERSTAU PODCAST

20 Blogs haben es geschafft – sie stehen im Finale des Buchblog-Awards 2020! Bevor die Jury am 18. Oktober 2020 die Gewinner*innen in den Kategorien Bester Buchblog und Bester Newcomer verkündet, stellen wir Euch die Finalist*innen vor. Hier beantworten Robin Schneevogt, Anika Falke, Meike Stein vom „Papierstau Podcast“ unsere Fragen.

Kurzvorstellung & Speed-Fragerunde

Unsere Namen: Robin Schneevogt, Anika Falke, Meike Stein
Unser Kanal: Papierstau Podcast
Wir sind nominiert in der Kategorie: Bester Buchblog

Hier sind wir auch zu finden: Instagram … zudem sind unsere Shows auf sämtlichen Streaming-Portalen abrufbar.
Wir bloggen seit: 2016
Wir lesen am liebsten: Autor*innen, die sich was trauen!

Diese Bücher liegen gerade auf unseren Nachttischen: Immer die Titel für die nächste Folge.
Dieses Buch empfehlen wir momentan jedem: Leif Randt „Allegro Pastell“ (#TeamTanjaundJerome)
Diesen Buchcharakter würden wir gerne einmal treffen: Kemal aus Cihan Acars „Hawaii“
Das sind unsere Lieblingsverlage: Die, deren Programm sich nicht am kleinsten gemeinsamen Nenner des Publikumsgeschmacks orientiert.
Hier kaufen wir unsere Bücher am liebsten: In einer lokalen, unabhängigen Buchhandlung.
Dieser Buchblog/Buchkanal ist unser persönlicher Favorit: Na, unserer! Und außerdem Cliff Sargents Kanal „Better Than Food“.

Das Interview

Wie seid Ihr zum Buchbloggen gekommen und wie hat sich Euer Buchkanal mit der Zeit gewandelt?

Robin gehört zum Gründungsteam des Podcasts, heute sind Robin, Meike und Anika der Papierstau Pod-Cast. Während anfangs jeder spontan gelesen hat, was er oder sie wollte, und es dann in der Sendung reihum vorgestellt wurde, hat das aktuelle Team ein Profil erarbeitet und einen Redaktionsplan eingeführt: Die Sendungen werden im Voraus geplant, so dass aktuelle Neuerscheinungen immer zeitnah im Programm sind, Themenschwerpunkte gebildet werden können und sich zudem alle Podcaster auf alle Bücher vorbereiten können. Inhaltlich liegt der Schwerpunkt auf junger, wilder Literatur und auf spannenden internationalen Titeln, gerne auch aus Ländern, die im Literatur-Game häufig übersehenen werden, wie etwa Grönland und Nigeria.

Was zeichnet Euren Blog aus? Wieso sollte man Euch folgen?

Wir besprechen keine Unterhaltungsliteratur und sind auch nicht auf YA, Romance oder Thriller spezialisiert – was wir vorstellen, läuft gemeinhin unter „anspruchsvolle Literatur“. Allerdings halten wir es mit dem von uns geschätzten Clemens J. Setz, der in seiner Rede zum Bachmann-Preis betont hat, dass das Erzählen etwas zutiefst Soziales ist, etwas, das Menschen verbindet – das ist der Kern unserer Show: Uns geht es nicht um Disktinktionsgewinn und Selbstdarstellung („Schaut her, wie viele schlaue Bücher wir gelesen haben!“), sondern wir sprechen authentisch und leicht verständlich über herausfordernde Literatur. Alle Hörer*innen sollen uns folgen können, jede*r soll verstehen, was wir an den besprochenen Büchern lieben (oder eben gerade nicht lieben) – und das heißt nicht, dass unsere Diskussionen flach sind, ganz im Gegenteil. Tiefgründig und dabei leicht verständlich sein, das ist die Kunst, die wir perfektionieren wollen. Außerdem sind wir fest davon überzeugt, dass eine intelligente Literaturshow gleichzeitig lustig sein kann! 🙂

Was schätzt Ihr besonders am Format des Podcasts?

Klassisch ist ja generell nicht so unser Ding! 🙂 Wir lieben Blogs, Kanäle und Podcasts, die sich abseits des Mainstreams bewegen und Neues ausprobieren – genau das wollen wir in unserem Format umsetzen. Wir stellen Bücher nicht nur einfach vor, wir wollen auch miteinander über unsere Leseeindrücke sprechen und sie diskutieren. Dieser Austausch lässt sich für uns am besten im Podcast-Format umsetzen: Hier können wir direkter aufeinander eingehen, als es zum Beispiel ein klassischer Blog zulässt. Der Podcast erzeugt eine ganz eigene Dynamik, die unserem hohen Redebedarf über Bücher sehr entgegenkommt! 🙂 Außerdem lässt er uns und unseren Diskussionen den Raum und die Spontaneität, die wir brauchen, um Spannung und Immersion zu erzeugen. Denn auch wenn wir die Inhalte unserer Sendungen gut planen, sind unsere Gespräche natürlich nicht gescriptet. Ein klassischer Blogpost geht erst online, wenn er fertig ist, bei uns ergeben sich in der Gruppendiskussion oft nochmal ganz neue Denkanstöße, die wir dann sozusagen mit unseren Hörer*innen, die wir ja auch immer wieder direkt ansprechen, gemeinsam erforschen und sie so auch noch weiter mit einbeziehen – das ist uns auch wichtig! Und natürlich begeistert es uns, wie viele spannende Rückmeldungen wir erhalten. Die beweisen übrigens auch, dass es nicht stimmt, dass gerade junge Leute nur Bücher über Vampire und Liebesschnulzen lesen wollen: Die meisten Kommentare erhalten wir in der Regel zu den schwierigsten und ungewöhnlichsten Büchern, weil Hörer*innen Geschichten hören wollen, die sie inhaltlich und formal so noch nicht kennen – sie wollen eben nicht mit den immer gleichen konfektionierten 08/15-Standard-Romanen abgespeist werden.

Was war Eurer bisher schönstes Erlebnis im Blogger*innen-Dasein?

Klar könnten wir jetzt Knaller-Interviews mit Leuten wie Sjón oder unsere Kooperation mit dem Deutschen Buchpreis 2020 nennen, auf die wir sehr stolz sind, aber in Wahrheit ist es, dass unser Podcast-Trio zusammengefunden hat. Wir kommunizieren andauernd miteinander, 30 WhatsApp-Nachrichten am Tag fliegen da mindestens hin und her. Wir arbeiten alle drei Vollzeit, wir stemmen dieses riesige, aufwändige Projekt in unserer Freizeit, und das geht nur, weil wir uns so gut verstehen und so viel Spaß zusammen haben. Eine solche Crew kann man sich nicht zusammencasten, es ist einfach ein großes Glück, so ein Team zu haben.

Wo in der Buchcommunity seid Ihr am liebsten unterwegs auf der Suche nach Inspiration und Austausch? Und warum?

Goodreads ist schon unser zweites zu Hause, wir hängen da täglich rum. Die Plattform bietet sehr gute Möglichkeiten, sich mit Bücherfreaks aus aller Welt auszutauschen, zudem bekommt man – sobald man sich das richtige Netzwerk aufgebaut hat – immer mit, wer wo welchen Preis gewonnen hat und was bald übersetzt wird. Dieser internationale Blick ist für einen Podcast mit unserem Profil sehr wichtig. Ansonsten kann man uns natürlich auch ganz klassisch beim Stöbern im lokalen, unabhängigen Buchladen unseres Vertrauens erwischen!

Warum muss (vor allem in einem Jahr wie diesem) über Bücher gebloggt werden?

Lesen ist eigentlich eine eher einsame Tätigkeit: Man ist meistens allein mit seinem Buch oder Hörbuch. Gleichzeitig leben Menschen von Geschichten, wir sind von Narrativen umgeben und erschließen uns die Welt durch Erzählungen. In unserem Podcast holen wir das geschriebene zurück ins gesprochene Wort, wir sprechen miteinander und über soziale Medien auch mit unseren Hörer*innen – Literatur wird so lebendiger, sozialer. Während der Corona-Zeit sind unsere sozialen Kontakte eingeschränkt, da kann die Verbindung über das Netz helfen. Gleichzeitig haben wir Hörer*innen immer wieder dazu aufgerufen, gerade jetzt Debütant*innen und den lokalen Buchhandel zu unterstützen, um sich so nachhaltig für die Vielfalt unserer Literatur-Szene einzusetzen. Das war z.B. auch Thema in unseren Gesprächen mit Leona Stahlmann und Thorsten Nagelschmidt.

Haben sich die Corona-bedingten Veränderungen der letzten Monate auf Euren Podcast ausgewirkt? Wenn ja, wie?

Bei uns startet jede Show mit einem sogenannten „Vorgeplänkel“, in dem wir aktuelle Entwicklungen besprechen. Darin ging es in den letzten Monaten immer wieder um Corona und seine Auswirkungen, etwa auf Buchmessen oder Autor*innen, aber auch auf das Lesepublikum. Und wie gesagt: Wir haben in der Show darüber nachgedacht, wie wir helfen können, und unsere Hörer*innen aufgerufen, sich einzubringen, sofern ihnen das möglich ist.

Was wünschst Ihr Euch für die Zukunft von Buchblogs und Buch-Kanälen?

Wir wünschen uns, dass Blogger*innen sich immer mehr trauen, ungewöhnlicher Literatur eine Plattform zu geben und Bücher – mit fundierten Argumenten! – auch mal schlecht zu finden (schließlich sollte ein Blog keine Verlagswerbung sein). Für uns sollte der Trend weg von mainstreamigen Kuschel- und Wohlfühl-Buchblogs hin zu Inhalten gehen, die überraschen und herausfordern. Das ist der Content, der uns interessiert.

Vielen Dank für das Interview! Wir drücken die Daumen!

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